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Deutsche Geschlchtsblätter

Monatsschrift

zur

f öpderung ißt laodesgesehiohliliohen foesebung

unter Mitwirkung von

Pror. Bkchnuuui-Frag, Prof. Brejnig-Berlin, Prof. Kriar-Känigiberg,

Prof. Finke-Freibnrg i. B., Archivdirektor Prof. Hanaen-Köln, Prof. v. Haigel-MU[icli«n,

Prof. Henner-WUribarK, Scclionschef T.'Inama-8temeKK-W''°t ^">{. Kolde-ErUngen,

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Arcbiirat W. I4ppert-Dresden, Archivar Men-OsaabrUck, Prof. HOhlbacbcc-Wien,

Prof. V. Ottenthai- Iniubnick, Prof. Oaw. Redllch-Wien, Prof. v. d. Ropp-Maibnrg,

Prof. A. Schulte-BreiUn, Archiiral SelloOldeoburg, Geh. Arcbivrat Stttlin-Slnttearl,

Archiirat WlBChke-Zerbst, Prof. Weber-Prag, Prof. Wenck-Marbnrg,

Archivrat Wlnter-OtnabrUck, Archivar Witte-Schwerin,

Prof. T. Zwiedineck-Sadcnhoret-Gru

herausgegebcD von

Dr. Armin Tille

Gotha

Friedrich Andreas Perthes 1902

I .MS

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o9^0ll-l^^

Aufsätze : sdte

Albert» Peter P. (Freibnrg i. B.): Ortsgeschichte 193 208

Gero, Qeorg (Zftrich): Zur Grundbesitzverteilung in der Karolingerzeit . 6$ 76

Hoemes, MorU (Wien): Deutschlands neolithische Altertümer . . . . 145 152 Kaaer, Ktut (Wien) : Zur politischen und sozialen Bewegung im deutschen

Bürgertum des XV, und X VI. Jahrhunderts i 18 und 49 60

KStsschke, Rudolf (Leipzig) : Ortsflur ^ politischer Gemeindebezirk und'Xirch-

spiel 273—295

Lippeit, VIToIdemar (Dresden) : Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissen»

Schäften und ihr Neues Lausitzisches Magazin 18 22

MBsebeck« Smst (Metz) : Zur Geschichte der landesgeschichtlichen Forschung

in Lothringen 121 129 und 192

Polacsek, Bmat (Strafsburg) : Der Fortgang der deutschen Denkmäler-

inventarisation 137 144

Schnapper- Arndt , O. (Frankfurt a. M.): Aus dem Budget zweier Schuh- machergesellen des XVIL Jahrhunderts 77—85

SellOv Q. (Oldenburg) : Nachträgliches und Nettes zur Literatur der Roland- Bildsäulen 33 48

Tille, Armin (Leipzig): Das Germanische Museum 261 271

VälncsAv lies (Wien): Historische Topographie mit besonderer Berück- sichtigung Niederösterreichs 97 109 and 129 137

Weber« Ottocer (Prag): Der Verein für Geschichte der Deutschen in

Böhmen 167 172

WehrmanOt Martin (Stettin): Landesgeschichtliche Lehr- und Lesebücher . 225—235 Winter» Georg (Osnabrück): Aus pommerschen Stadtarchiven 249 261 and 295— 306 Witte, Hans (Schwerin): Ortsnamenforschung und Wirtschaftsgeschichte , 153 166

and 209—217

Mittellimgeii:

Archive : Inventare des Grofsherzoglich Badischen Landesarchivs 23 ; Urkunden des Heiliggeistspitals in Freibarg i. B. 23 25; Stadtarchiv Wien -91—94; Vereeniging van archivarissen in Nederland 109— 112; Archiv der Stadt Hermannstadt und der sächsischen Nation 112 113 und 172—173; Stadtarchive in der Provinz Posen 173 174; Archiv des fürstlichen Hauses Castell 174; Inventare Kölner Pfarrarchive 217 2 20; Stadtarchiv Alten- burg 220 221; Stadtarchiv Borna 221; Archivpflege in der Pfalz 235—237; Dritter Archivtag 307—308.

Berichtigungen 192, 223—224, 248, 320

Seite Denkmalpflege: Zweiter Tag für D. in Freibarg 1901 61 63; Dritter in

Düsseldorf 1902 308

Deutsch als Urkundensprache (Max Vancsa) 117 120

Eingegangene Bücher 31—32, 64, 95—96, 120, 144, 191— 192, 223,

246 248, 271—272, 320

Familienforschung (Armin Tille) 182—185

Fransosenkrankheit (Armin Tille) 314 320

Fundseichen (Anthes) 91, 237—242

Qesamtverein der deutschen Oeschichts- und Altertumsvereine: Ver- sammlung in Freibarg 1901, 85— 91; in Düsseldorf 1902. . 306 307 Historische Kommissionen: Daisbarg 25; Heidelberg 26 27; WOrttem* berg 185 186; Bayern 186; Baden 186 187; Königreich Sachsen 187; Westfalen 221 223; Lothringen 242; Gesell- schaft fUr Rheinische Geschieh tskan de 243 ; Sachsen Anhalt 312 313; Hessen und Waldeck 313; Thüringen 313 314.

Landesgeschichte im Unterrichte 113 117

Landesgeschichtliche Bibliographie (Armin Tille) 178 182

Merian 223 224

Nekrologe: Ludwig Leiner (Konrad Beyerlc) 27 30; Gustav Veesenmeyer 94; Josef Edmund Jörg 95 und 192; Heinrich Gengier (Th. Kolde) 187—188; Karl von Hegel (Th. Kolde) 188—189; Alfred Köberlin 243—246.

Personalien 30—31» 1S9— 191

Vereine: Verein fiir die Geschichte Leipzigs 174- 175; Verein für Roch- litzer Geschichte 175—178; Verein für Thüringische Geschichte und Altertumskunde 308 3 1 1 ; Deutsch-Amerikanische Historische Gesellschaft von Illinois 311 312. Versammlung deutscher Philologen und SchulmSnner 1901 .... 63 64

Zeiller 224, 320

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Deutsche Ceschichtsblätter

Monatsschrift

cur

Forderung der landesgeschiclitlichen Forsclmng

ni. Band Oktober xgox i. Heft

Zur politischen und sozialen fievtregung im deutsehen Bürgertum des XV. und XVl.

Jahrhunderts

Von Kurt Käser (Wien)

Vorliegende Abhandlung' soll ein Nachwort sein zu meinem 1899 erschienenen Buche: Politische und soziale Bewegungen im deut- schen Bürgertum zu Beginn des XVL Jahrhunderts, (Stuttgart, W. Kohlhammer.) Ich verbinde damit den dreifachen Zweck, erstens den im Buche gebotenen Stoff nach manchen Richtungen hin zu er* ganzen, zweitens die allerdings nur sehr wenigen neueren Arbeiten über denselben Gegenstand in Kürze zu besprechen und endlich dies ist für mich das Wichtigste die Forschung und zwar namentlich die orts- und landesgeschichtliche Forschung hinzuweisen auf das, was noch zu thun bleibt.

In der Einleitung meines Buches habe ich auch die städtischen Bewegungen des XV. Jahrhunderts gestreift und in politische und soziale geschieden. Über erstere Gruppe seien mir noch zwei Bemerkungen gestattet. Die zünftig -demokratische Bewegung, die schon in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts auch den deutschen Norden berührt *), regt sich dort mit erneuter Energie zu Beginn des XV. Jahrhunderts. Dauernde Erfolge bleiben ihr indes ebenso ver- sagt, wie später zur Zeit Jürgen Wullenwevers. Der Boden der Hansa erweist sich einer demokratischen Stadtherrschaft weit weniger zu- gänglich als der deutsche Süden und Westen. Manche der politischen Bewegungen des XV. Jahrhunderts bilden eine direkte Fortsetzung früherer: sie zielen ab auf die Vernichtung der noch bestehenden

1) K. W. Nitrsch, Geschichte des deutschen Volkes, III. 298.

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Rechte patrizischer Herrschaft, auf die Vollendung der Demokratie, z. B. in Braunschweig, Mainz und Halle *).

Eine genauere Betrachtung dieser politischen Kämpfe *) gehört jedoch in einen anderen Zusammenhang. Wichtiger ist es für die künftige Forschung, den sozialen Bewegungen des XV. Jahrhunderts weiter nachzugehen, die ich einstweUen nur fiir Magdeburg, Braun- schweig, Rostock und Hamburg feststellen konnte. Es lieise sich vielleicht auch der Streik der Hallenser Salzwirker von 1474 heran- ziehen, eine Episode in dem mehrjährigen Kampfe der Handwerker und der Gemeinde gegen die Trümmer des pfannerschaftlichen Regi- ments '). Lohnstreitigkeiten mit den Bommeistem und den Schöffen im „Thal** veranlafsten die Wirker und Jahrknechte zur Einstellung der Arbeit. Markus Spittendorf, der uns diese Dinge erzählt, giebt unverhohlen der Meinung Ausdruck, der Streik sei von der demo- kratischen Partei zur Schwächung der Pfanner angezettelt worden.

Auch der Konflikt zwischen Augsburger Webern und Kaufleuten von 1491 , der uns nur durch eine kurze Notiz Stettens überliefert ist, gehört in die Reihe der Sozialrevolutionären Erscheinungen des XV. Jahrhunderts und verdiente eine gründliche Untersuchung *).

Vielleicht viel mehr noch als für das XV. Jahrhundert bleibt zu thun für die städtischen Unruhen innerhalb der zwei ersten Dezennien des XVI. Jahrhunderts. Peter Albinus und nach ihm der Zwickauer Chronist Schmidt erzählen von einem gefährlichen Aufruhr des Zwickauer Pöbels, den der gelehrte Jurist Dr. Kilian König, von 1498 1505 Mitglied des Stadtrats, durch seine Beredsamkeit gedämpft habe. Sonst soll nichts darüber bekannt sein; vielleicht liefsen sich aber doch noch archivalische Nachrichten über dieses Ereignis ermitteln ^).

Nicht erwähnt habe ich den Konflikt zwischen Rat und Bürger- schaft, besonders den Handwerkern in Kamenz ^). In den Städten

i) Städtecbroniken i6, 332—335; LU— LIV, 86, 87. Mein Buch S. 19. Hertzberg,. Geschichte von Halle I, 314. 327. 468.

2) Über Reibungen zwischen Rat and Gemeinde zu Torgan (1456 nnd 1481), offenbar der Finanzgebamng des ersteren wegen s. Knabe, Urkunden der Stadt T. bis zur Reformation, S. 52 ff.

3) Denkwürdigkeiten des Ratsmeisters Markus Spittendorf in Geschichtsquellen der Provinz Sachsen'', Bd. 11 (1880), S. 26 29. Über Biirgemnrnhen in Naumburg 1450 ff. vgl. Ernst Hoffmann, Naumburg a. S., im Zeitalter der Reformaüon, ein Beitrag zur Geschichte der Stadt u. des Bistums. [= Leipziger Studien aus dem Gebiet der Geschichte VII. i.} Leipzig, L. G. Teubner, 1901. Die Arbeit ist mir leider im Augenblick nicht zugänglich»

4) V. Stetten, Geschichte Augsburgs I, 232. 233.

5) Archiv f. sächs. Gesch. Bd. il. (1873), S. 206.

6) Knothe, Geschichte des Tuchmacherhandwerks in der Oberlausitz, Niederlau* sitzisches Magazin, 58. Bd. (1882), S. 331. 332.

3

der Oberiausitz waren die Unterschiede des Besitzes scharf ausgeprägt, auch hier streben die Handwerker, in erster Linie die Tuchmacher, trotz ihres geringeren Wohlstandes im Vertrauen auf ihre Zahl und Bedeutung schon seit dem XIV. Jahrhundert nach einem gesicherten Anteil am Stadtregiment ^). Diese Bestrebungen dauern zum Teil bis ins XVI. Jahrhundert fort. In Kamenz erhob sich am i8. Dezember 1508 ein heftiger Aufstand der Handwerker gegen den Rat, der sich durch inkorrekte Finanzwirtschaft, durch Willkür und Parteilichkeit verbalst gemacht hatte. Nach einer Zeit völliger Anarchie kam es zur Aufrichtung eines unfähigen, sich rein auf den Pöbel stützenden demokratischen Regiments, das 15 11 auf Betreiben der gestürzten Partei von König Wladislaw wieder beseitigt wurde.

Von den Aufständen der Jahre 1509 bis 15 14, die ich in meine Darstellung einbezogen habe, sollten einige noch zum Gegenstand einer tiefer eindringenden Forschung gemacht werden. So der Auf- stand zu Göttingen (15 13), von dem wir bis jetzt nur durch einen einzigen, noch dazu unvollständigen Bericht Kunde erhalten, dann die bürgerlichen Zwistigkeiten in Höxter, von denen uns einstweUen nur das Ergebnis, nämlich der durch den Abt Franz von Corvey zwischen Rat und Gemeinde aufgerichtete Vertrag überliefert ist. Sehr dankens* wert wäre auch eine gründlichere Erforschung der interessanten Vor- gänge in Lüttich um die W*ende der Jahre 15 12 und 15 13, die wir vor der Hand nur aus chronikalischen Berichten kennen. Auch für den Schweinfurter Aufstand (15 13) liefse sich das Material vielleicht noch vervollständigen, das einstweUen nur aus zwei Volksliedern bei Liliencron und dürftigen urkundlichen Nachweisen in den Monumenta Suiiu furtensta besteht. Endlich liefse sich der Hinweis Müllers *) auf die in jenen Jahren zwischen Rat und Gemeinde von Nördlingen statt- findenden Reibungen vielleicht noch weiter verfolgen. Vor allem aber möchte ich die Aufmerksamkeit der Forschung lenken auf den Regensburger Aufstand von 1 5 1 2 und 1 5 1 3 , in dessen Verlauf sich, wie es scheint, eine sozialistische Partei der Führung bemächtigt hat. Wir kennen die Bewegung nur aus dem verschwommenen, abgerissenen Bericht des Regensburger Chronisten Leonhard Widmann und aus der zwar aktenmäfsigen , aber gleichfalls wirren und ungeordneten Darstellung Gemeiners. Eine Untersuchung auf Grund der Akten selbst wäre hier dringend notwendig ').

l) Knothe a. a. O. S. 310—312.

a) Zeitschrift des Vereins f. Gesch. v. Schwaben n. Neabnrg, Bd. XVII, S. 12.

3) Die genaaeren Quellennachweise s. in meinem Bache S. 157— 163. 165. 1 75-^178«

4

Ganz unaufgeklärt sind auch noch die Ereignisse in Nordhausen, die nach einer Notiz des VigneuUes zu blutigem Ausgang geführt haben ^). Aufiser den von mir behandelten Aufständen berichtet Trithemius *) für die Jahre 1512 und 1513 von Unruhen in Deventer, Andernach, Lübeck. Hier bieten sich also der Forschung noch ganz unberührte Aufgaben, denn vor allem wäre die Richtigkeit der An- gaben zu untersuchen.

Der Andernacher Aufstand hat durch den Herausgeber dieser Zeitschrift auf Grund des archivalischen Materials eine erschöpfende Behandlung erfahren ^). Die Datierung des Trithemius erweist sich als falsch, denn in Wahrheit ist der Aufstand ohne Zweifel in den Sommer 15 II zu setzen, wiewohl Spuren aufrührerischer Gesinnung sich noch weiter zurückverfolgen lassen. Schon im Mai 1496 findet eine un- gesetzliche Versammlung der Gemeinde statt, doch wissen wir nicht, welche Ereignisse und Klagen die Bürger zu diesem hochverräterischen Schritte getrieben haben. Eine erneute Versammlung der Gemeinde ohne Erlaubnis des Rats erfolgt 1506, wobei ein gewisser „Grofs- Johann** als Rädelsführer bezeichnet wird. Erst am 5. November 15 10 werden die Beschwerden der Bürger laut. „Sie berühren das Stadt- regiment in finanzieller Hinsicht und zielen darauf ab, der Gemeinde eine Kontrolle über die Finanzgebahrung des Rates zu verschaffen/' Ähnliche Klagen und Forderungen werden auch bei den früheren, rechtswidrig abgehaltenen Versammlungen zur Sprache gebracht worden sein. Im folgenden Jahre gestaltete sich die Lage wieder kritisch, doch wurde auch jetzt das Schlimmste, ein blutiger Aufruhr, ver- mieden, denn am 7. November 15 11 wurde durch den Kölner Erz- bischof Philipp ein Ausgleich getroffen, der indes die Bürger nicht befriedigen konnte. Die Versammlung der Bürger blieb verboten, nur ein Beschwerderecht beim Landesherm wurde den Bürgern ein- geräumt, der wichtigste Punkt aber, das städtische Finanzwesen, blieb unberührt. Erst 1522 kommt es zu neuen Unruhen. Die Gemeinde fuhrt jetzt Klage über die Verkümmerung des Beschwerderechts, über das Fehlen eines Organs, das die Gemeinde dem Rat gegenüber ver- trete, und über den Mangel einer Finanzkontrolle seitens der Bürger. Erzbischof Philipp greift wieder als Schiedsrichter ein und befriedigt

i) Tagebach des VignenUes S. 231.

2) Annale« Hirsaugienses II, 689.

3) Armin Tille, Bürgerunruhen in Andernach am Ende des XV, und Anfang des XVI, Jahrhunderts^ in den Annalen des historischen Vereins fUr den Niederrhein, 70. Heft (1900), S. 31—42.

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die Wünsche der Bürger durch Einsetzung eines Achterkollegiums, das die Interessen der Gemeinde gegenüber dem Rate wahren, ins- besondere der jährlichen Rechnungslegung beiwohnen sollte.

Diese Bürgemnruhen zu Andernach zeigen den typischen Charakter der städtischen Bewegungen am Anfang des XVI. Jahrhunderts. Sie sind hervoi^erufen durch die Unzufriedenheit der Gemeinde mit der Finanzverwaltung des Rates und fuhren in Andernach etwas später als an manchen anderen Orten zur Schaffung einer eigenen Ge- meindevertretung, eines Organs der Kontrolle über die städtischen Finanzen. „Den wesentlichsten VorteU aus den Veränderungen hatte aber der Landesherr gezogen, der jetzt auf die Verwaltung seiner Landstadt einen ganz anderen Einflufs üben konnte, als ehedem."

Ein Antrieb zu weiterer Forschung liegt auch in der Bemerkung Trithems, es habe sich aufser den von ihm namhafl gemachten Städten die Bewegung auch noch auf andere Orte erstreckt, quarum vocabula memoriae non occurrunt. Eine ähnliche Äufserung knüpft das Chronicon Brunwilrense an die Schilderung des Kölner Auf- standes von 15 13: Circa tdem tempus in muUis regionibtts et civitaiibiis dissentio facta fuit et volgiis se contra consulatum erexit et alias ordinationes exacta prius computatione canstituit. *)

Diese Angaben klingen sehr wahrscheinlich. Wir besitzen An- haltspunkte dafür, dafs der unruhige Geist in den deutschen Bürger- schaften damals weiter verbreitet war, als man bisher annehmen konnte. Einen Beleg dafür bringt G6ny in seinen Untersuchungen über Schlett- stadt *). Dort kamen im Frühjahr 15 10 Ruhestörungen vor. Etliche Bürger wurden „wegen unziemlicher Handlung" ins Gefängnis gelegt. Da trat einer Namens Konrad Rosenmeyer auf öffentlichem Markte vor vielen Menschen auf und rief unter Flüchen und Verwünschungen aus : Es thut nymer gut, wir schlagen dann einest die Riehen zu Tode, und halt ich meine Gesellen, die ich vor Jaren gewisset habe, so wollen wir die Gefangnen wider ufs dem Thurn nehmen. Und dann gegen Himmel blickend: O wo ist der Schuhmacher, der den Bundschuh gemacht hat, und ich dürfte wol für Rat gehen und dem Rat dise Worte selbs sagen. Er wurde mitten im Volksauflauf festgenommen und vor Gericht gestellt. Auf die Bitten

1) Niederrheio. Annal. Bd. XIX. (1S68), S. 258.

2) Joseph G6ny, Die Reichsstadt SchUttstadt und ihr Anteil an den sotial- poUtischen und religiSsen Bewegungen der Jahre 1490—153^ (Erläuteningcn und Er- gänzangen zu Janssen« Geschichte des deutschen Volkes, heraosg. v. Ludwig Fastor, I. Band, 5. u. 6. Heft). Vgl. S. 85.

Deutsche GescMchtsblätter

Monatsschrift

zur

f öpdepung den landesgesohichtliGhen f opsebung

unter Mitwirkung von

Prof. Bachmuin-Pr>|;, Prof. BreyBig-Berliu, Prof. Brler-Königiberg,

Ptof. Finke-Ficibarg i B., Archivdirektar Prof. Hansen-Köla, Prof. v. Holgel-Milachen,

Prof. HcDner-WUribiirg, Sedionichef v. laam&-atemeg{[-Wien, Prof. Kolde-Erlangen,

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Prof. A. Scfaulle-BreiUa, Archivrat S eil □- Oldenburg, Geh. Archivrat StBlin-SlqtIgarl,

Archirrat WSschke-Zerbst, Prof, Weber-Prag, Prof. Wenck-Marbarg,

Archivrat Winter-Osnabrück, Archivar Witte-Schwerin,

Prof. V. Zwiedineck-SUdenhorat-Grai

herausgegeben von

Dr. Armin TUle

Gotha

Friedrich Andreas Perthes 1902

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mann angewiesen sind, auf Grundlage der im Stuttgarter Staatsarchiv verwahrten Bundesakten einer speziellen Behandlung unterzogen würde. Gerade in Heilbronn sind ja die revolutionären Tendenzen mit grösse- rer Heftigkeit aufgetreten als vielleicht in irgend einer anderen Stadt jener Gegend: es wäre besonders die interessante Vorgeschichte des Auistandes, das Walten des revolutionären Klubs, die Propaganda einzelner Heilbronner auf dem platten Lande, dann auch die Fühlung- nahme des Proletariats, besonders der Weingärtner mit den Bauern eingehend zu beleuchten.

Für die wichtigeren Städte der dem Herzogtum Württemberg be- nachbarten Gebiete, namentlich im Ries Nördlingen, Dinkels- bühl, Bop fingen, El Iwangen ist das vorhandene gedruckte und ungedruckte Material wohl schon von Müller erschöpfend ausgenützt ^). Erwähnt sei hier noch, dafs Oettingen von seinen Herren abfiel, mit Hilfe des Markgrafen Kasimir von Brandenburg aber wieder zum Ge- horsam gebracht wurde, ein Ereig^s, das auch auf die Zerstreuung des Deininger Haufens einen gewissen Einflufs geübt haben mag *).

Die Unruhen in den Städten der brandenburgischen Markgraf- schaft hat Jäger bereits behandelt '). Die Gemeinde von Wasser- trüdingen trug lebhaftes Verlangen, den Bauern bei der Plünderung der nahen Klöster Heidenheim und Auhausen zuvorzukommen. Sogar die kommunistischen Ideen der Zeit hatten in dem Städtchen Boden gefafst *).

Auch für die Bewegungen in den gröfseren Städten Ostfrankens bleibt dem Forscher wohl wenig mehr zu thun, da das Material in stattlicher Fülle gedruckt und zum Teil schon verarbeitet vorliegt. Gerade für diese Gegenden steht uns ja eine reiche chronikalische Überlieferung zu Gebote. Die Vorgänge in Nürnberg, wo der Rat durch gewandte Diplomatie die Bauern hinzuhalten imd einem Aus- bruch des Volksunwillens in seinen eigenen Mauern durch rechtzeitige Zugeständnisse zu begegnen wufste, hat Kam an n in einer eigenen Monographie dargestellt ^). Über die Bewegungen in Würzburg werden wir unterrichtet durch die Aufzeichnungen des Stadtschreibers Martin Cronthal und des bischöflichen Sekretärs Lorenz Fries, über die in

i) Zeitschrift des Vereins f. Geschichte von Schwaben n. Nenbarg, Bd. XVI n. XVII, 1889 n. 1890. Vgl. besonders Bd. XVI, S. 76. 94—95. 96 ff.

2) Jäger, Markgraf Kasimir o. der Bauernkrieg im südlichen Ries S. 17.

3) ^S^' jÄger a. a. O. über Crailsheim n. Wassertrüdingen , z. B. S. 33. 34. 77.

4) Jäger a. a. O. S. 46.

5) .Kamann, Nürnberg im Bauernkrieg, 1889.

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Rothenburg a. T. durch die Chroniken des Stadtschreibers Thomas Zweifels und des Mönches Eysenhardt. Doch könnte eine Nachlese in den Archiven dieser Städte vielleicht noch manche Ergänzung liefern. Sehr wünschenswert wäre eine Darstellung der Revolution in Stadt und Hochstift Bamberg. Das Material dazu hat W. Stolze 1898 gesammelt, doch ist die Veröffentlichung, wie es scheint, bisher noch unterblieben. Endlich hat Schweinfurt ein Bündnis mit den Bauern abgeschlossen, dessen Entstehungsgeschichte noch aufzuklären wäre. ^).

In der Landgrafschaft Hessen sind städtische Bewegungen von grölserer Bedeutung, wie es scheint, unterblieben. Die rebellischen Bauern der Rhöngegend suchten zwar von Hersfeld aus die hessischen Städte Kassel, Alsfeld, Homburg u. a. brieflich zum Abfall zu be- wegen. Doch hatten ihre Schreiben keine Wirkung *).

In den grö&eren Städten Thüringens harren noch wichtige Auf- gaben der Lösung. Vor allem wäre erwünscht, dafs die von Merx begonnene Biographie Münzers und Pfeifers zum Abschlufs geführt würde. Erst nach Vollendung dieser Arbeit würden wir wohl auch von den revolutionären Ereignissen in Mühlhausen ein vollständiges und richtiges BUd erhalten ^). Auch die Bewegungen in Nordhausen, für die wir bis jetzt nur die ältere Arbeit Förstemanns besitzen, wären einer neuen Untersuchung wert ^).

1} VgL mein Bach S. 246.

2) Falkenhainer , Philipp d. Grofsmütige im Bauerokrieg. Marburg 1887.

3) O. Merx, Thomas Münzer und Heinrich Pfeifer, Göttingen 1889. Über die SteUung Herzog Georgs, der Emestiner u. Philipps v. Hessen zu den revolutionären Er- eignissen in M. vgl. W. Karstens, Sächsisch-hessische Beziehungen in den Jahren 1524, 1525 n. 1526. (Zeitechr. d. Vcr. L thttring. Gesch., N. F., Bd. Vm, 1893, S. 338—45). Ans den Verhandlungen zu Naumburg u. Trefiurt zwischen den Räten der oben genannten Fürsten im Februar u. April 1525 ergiebt sich insbesondere die Interessengemeinschaft Herzog Georgs mit dem vertriebenen Rat von M., eine Haltung, die nach der Einnahme der Stadt dieser lebhaft zu gute kam.

4) Föntemann, Kleine Schriften S. 86, In Frankenhaasen liefsen sich auch wohl- habende Bürger, wie Pfanner u. Grundbesitzer, zur Teilnahme am Aufruhr verleiten, vgl. Zeitschr. d. Ver. f. thür. Gesch., N. F., Bd. VIII, 1893, S* H- Auch die kleineren thfiringischen Städte wurden von der Bewegung fortgerissen. In Sonderthausen und Arnstadt beteiligte sich der Pöbel an den Ausschreitungen der eingedrungenen Bauern (a. a. O. S. 14. 15). In Dm kam es zu einem Aufruhr, dessen Wiederholung nur die Beredsamkeit des vom Bürgermeister berufenen Eberlin v. Günzburg verhüten konnte. Vgl. Radlkofer, Jakob Wehe n. Eberlin v. Günzburg S. 521. Biaenach gehörte dem von Th. Münzer gestifteten Bunde an, vgL Münzers Schreiben vom 7. Mai 1425, Zeitschr. f. hessische Geschichte Bd. IX, Urkunde XII. Auch wurden, wie es scheint, Mönche und Priester von dort vertrieben, vgL Holzwart in Baumanns „Quellen z. Gesch. d. Bauern- kriegs in Oberschwaben*' S. 712.

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In Erfurt verfolgt die Bewegung in der Stadt wie im Landgebiete übereinstimmend ein politisches Ziel. Die städtischen Unruhen hatten mit dem „Pfaffenstürmen" von 1522 begonnen. Zugleich aber wurde durch die Wiederaufhebung der von der demokratischen Partei in der Stadt durchgesetzten Regimentsverbesserung der Kampf um die politische Gleichberechtigung aufs neue heraufbeschworen. Ebenso ist die Empörung der Erfurter Bauern nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus politischen Ursachen hervorgegangen. Die Bauern waren empört über die jährlich wachsenden direkten und indirekten Steuern, über den Mangel an staatlichem Schutz und über ihre politische Recht- losigkeit. Die in den Artikeln vom 10. Mai 1525 geforderte Unter- stellung der Besteuerung unter den Willen der ganzen Gemeine und Landschaft, die nach anderen Akten erweisliche gleichzeitige Er- hebung eines „ewigen Rates** durch die „Verordneten der ganzen Ge- meine und ganzen Landschaft** und dessen zukünftige Kontrolle durch Vormünder der „Gemeine und des ganzen Landvolks** zeigen deutlich genug, da(s der Bauernaufstand im Gebiet von Erfurt mehr den Charakter einer politischen als einer sozialen Revolution trug ^). W. Schum hat versprochen , in einer besonderen Abhandlung Zu- sammenhang und Zusammenflufs des städtischen Verfassungskampfes mit der Bewegung der ländlichen Bevölkerung zu erweisen, ist uns aber, soweit ich sehe, die Erfüllung dieses Versprechens einstweilen schuldig geblieben.

Auch in Gotha gewannen die Verhältnisse dank den im geist- lichen und weltlichen Regimente herrschenden Ubelständen eine äuiserst bedrohliche Gestalt. Wirtschaftliche Beschwerden über die Insassen des Stifts und der Groll der Bürger über das unsittliche Treiben der Kanoniker führten auch in dieser Stadt um Pfingsten 1524 zu einem heftigen, von der Obrigkeit geduldeten „Pfaflfenstürmen**. Die Häuser der Domherren wurden verwüstet, ihre Dirnen davongejagt. Kurfürst Johann Friederich verurteilte die Bürger für diese Ausschreitungen zu einem Schadenersatz von 300 Gulden *).

Auch die weltliche Obrigkeit hatte, wenigstens nach den Angaben des Myconius *) , schwere Verschuldungen auf sich geladen. Der Rat habe sich selbst ergänzt, der Gemeinde jeden Einblick in seine Finanz-

i) W. Scham, Über bänerliche Verhältnisse u. Verfassung der Landgemeinden im Erfurter Gebiet zur Zeit der Reformation, Zeitschr. des Ver. f. thttr. Gesch., N. F l, 1879, S. 101—102.

2) Beck, Geschichte des Gothaischen Landes, Bd. II, 305.

3) Myconius bei Beck S. 112. 113. 114. 117.

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g^bahrung' verweigert, gegen jede Kontrolle gesichert am Stadtgut gröbliche Veruntreuung geübt, die Mauern verfallen, das Wasser aus den Stadtgräben austreten und die Keller überschwemmen lassen, den Frechheiten der städtischen „jeunesse doree" ruhig zugesehen , jeden Einspruch gegen diese Mifsverhältnisse gewaltsam unterdrückt. Auch das wiederholte landesherrliche Eingreifen habe nur wenig geholfen.

Trotzdem ist 1525 eine Bewegung in Gotha unterblieben. Es bUeb diese Stadt und Amt sitzen. Denn es war das neulich ge- stäupte Kind witzig wurden, IVu aber Gottes Wort und das täg- liche Vermahnen nicht auch da gewest, und der Rat nicht die Bürger flei/sig verwarnt, hätte es doch' nicht geholfen, man hätte sich der Aufruhr teilhaftig gemacht Die unmittelbare Folge des „P&ffenstürmens" war die Berufung des Myconius und die Durchfuhrung der Reformation. Es wäre gut, wenn diese uns vor der Hand nur durch Myconius überlieferten Verhältnisse noch eine tiefere, akten- mä&ige Begründung erhielten.

An den beiden Hauptstädten des Herzogtums Sachsen, Dresden und Leipzig, ist der Sturm ohne gröfiseres Unheil vorübergezogen. Wenn der Stadtklerus in Dresden im Jahre 1525 einem Bürgeraufstande entging, so hatte er dies wohl nur seiner etliche Jahre zuvor geübten Nachgiebigkeit zu verdanken. Unter Herzog Georg war das Verhältnis der Bürger zum Klerus immer schlechter geworden, ja 1520 fand die allgemeine Unzufriedenheit Ausdruck in einer von Rat und Gemeinde an den Herzog gerichteten Beschwerdeschrifl. Es wurde darin Klage erhoben über die drückenden Unschlittzinsen, welche die Fleischhauer alljährlich an einzelne Kirchen zu entrichten hatten, besonders aber über den Wucher, den die Bruderschaften ^) mit ihren aufgehäuften Kapitalien zum Verderben der Bürger und Landsassen trieben, endlich über die Weigerung der Geistlichen, die Ablösung der auf liegenden Gütern ruhenden Zinsen zu gestatten. Der Grund dieser Weigerung lag darin, dais die Geistlichen solche Güter als ihr volles Eigentum be- handelten und dem weltlichen Gerichtszwang entzogen. Die Beschwerden der Bürger müssen berechtigt gewesen sein, da durch einen gemein- samen Schiedsspruch des Herzogs Georg und des Bischofs von Meifsen den meisten Forderungen Genüge geleistet wurde *).

In Leipzig gingen 1525 etliche Bürger, angeblich auf Anstiften Thomas Münzers, mit dem Plane um, den Rat, die Priesterschafl und

1) Man bezeichnete die Bruderschaflen geradezu als ein verborgen ewige Schatzunge des lands und der leuthe^ und ist «« sehwert, das seinen ursacher verletzt u, schneidet,

2) Richter, Verfassnngs- o. Verwaltangsgeschichte von Dresden Bd. III, S. 324 ff.

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die „Führneh rasten auf der Universität" umzubringen und den auf- rührerischen Bauern die Thore zu öffnen. Als diese Konspiration dem aus dem Bauernkrieg zurückgekehrten Herzog Georg berichtet wurde, liefs er nach eingehender Untersuchung am 15. Juni acht Bürger mit dem Schwerte richten, fünfzehn stäupen und des Landes verweisen. Am nächsten Tage wurde die Bürgerschaft aufs Schlols geladen und ihr mitgeteilt, dafis aufser denen, die zur gebührenden Strafe gezogen worden, noch 300 im Verzeichnis ständen, so es mit der aufrürischen rotte gehalten. Auf Bitten der Bürger wurde diesen auch das Ge- fängnis geschenkt. Auch ein Geistlicher und ein magister artium be- fanden sich unter den Aufruhrern; diese wurden dem Bischof von Merseburg zur Bestrafung ausgeliefert *).

In Chemnitz kam es 1524 zu einer Bewegung, deren äufseren Anlafs die von den Bürgern vermutete Einfuhr fremden Bieres durch die Geistlichkeit bildete. Das einmütige, energische Auftreten der Gemeinde aber und die Schwere der von Herzog Georg verhängten Strafe legen uns die Vermutung nahe, dafs die Bewegung mehr ge- wesen sei, als ein blofser Bierkrawall, dafs ihr eine bedeutendere Ur- sache, der allgemeine Hafs gegen den Klerus, zu Grunde gelegen habe %

Auch die sächsischen Bergstädte wurden von der Bewegung in Mitleidenschaft gezogen. Zwar blieb Freiberg unberührt *) , aber in den erzgebirgischen Orten zeigten sich allerlei revolutionäre Er- scheinungen.

In Axmaberg besonders, dem Mittelpunkte des Bergwerkverkehrs, herrschte eine starke Gärung unter einem Teil der Knappschaften und im Proletariat. Eine Anzahl ungesessener lediger Gesellen, ver- schiedene Fremde und solche, die wahrscheinlich nichts zu verlieren hatten, flöfsten dem Rate Besorgnis ein. Fünfzig Gesellen, die dem Herzog Georg Kriegsdienste gegen die Bauern zugesagt hatten, zogen ihre Meldung am nächsten Tage wieder zurück. Gegen einzelne Beamte fielen schwere Drohungen. Die Sympathieen für die revolu- tionären Bewegungen in der Nachbarschaft waren unter dem gemeinen Manne stark verbreitet. Jeden Augenblick befürchtete man den Aus- bruch einer Empörung. Aber dennoch sind keine Nachrichten von

1} Johann Jakob Vogel, Leipzigisches Geschichtsbuch oder Annales (Leipzig 1714), fol. S. III. 112 zam Jahre 1525.

2) Mitteilungen des Vereins f. Gesch. ▼. ChemniU U (1876—78), S. 13—15.

3) Ermisch, Archivalische Beiträge zur Reformationsgesch, der Stadt F, (1525 bis 1528), im Neuen Archiv f. sächs. Gesch. Bd. VIU (1887), S. 129.

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einer Erhebung- in der Stadt oder von einem Anschluß der unruhigen Elemente an die Auürührer der Umgegend zu uns gelangt. Bürger und Bergleute begnügten sich, die Bedrängnis des Rates auszunützen und von ihm die Erfüllung längst gehegter Wünsche zu verlangen. Die Forderungen der ersteren zielten auf eine Reform der Stadtver- waltung. Auch in Annaberg hatte die Gemeinde gegen den Rat allerlei Klagen und verlangte ein besonderes Organ zur Vertretung ihrer Interessen. Sie wollte das Recht haben, aus jedem Viertel vier Personen zu erwählen, die neben den Viertelmeistern die Gebrechen und Bedürfhisse der Gemeinde ohne alle Scheu vortragen könnten. Die wichtigste Forderung aber lautete: „Rat, Bürgermeister und alle Rats verwandten, sollten sich aufs Freundlichste gegen die Bürger gemeiner Stadt halten, auch mit Knechten und Mägden so viel ver- schaflfen, dafs über sie keine fernere Klage sei.^ ^) Die Forderungen der Bergleute berührten zum Teil d^ Gebiet des Arbeiterschutzes. Vor allem aber kam es ihnen auf die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfiaisse an. Einhellig erklärten die Knappschaften ^ sie wollten keinen Pfaffen mehr haben, der ihnen nicht das Wort Gottes auch Nachmittags an Sonn- und Feiertagen predige.

Die gefahrliche Bewegung in Joachirasthal , welche das ganze Erzgebirge in Aufruhr zu versetzen drohte, wurde von Annaberg aus gestillt *). In Schneeberg wurde die Gemeinde durch die schwarm- geistigen Predigten des Georgius Amandus in lebhafte Aufregung ge- gebracht. Dieser Prädikant äufserte im März 1524 auf der Kanzel, es solle nicht der Rat die Gemeinde, sondern die Gemeinde den Rat regieren. Deshalb zur Rede gestellt verbesserte er am Abend darauf, statt seinem Versprechen gemäfs bescheiden tlich davon zu sagen", es müsse nicht ein Fürst das Land, sondern das Land den Fürsten r^eren. Vier Gewerbe sollen sich mit den Bergleuten vereinigt haben, um den Prediger, dem der Magistrat die Besoldung gekündigt hatte, aus eigenen Mitteln zu besolden so grofs war die Begeisterung für ihn. Auch hier fürchteten die Regenten des Herzogs jede Stunde Aufruhr und Empörung. Die Absetzung des Predigers genügte indes, wie es scheint , um die Ruhe wiederherzustellen •).

1) B. Wolf, Obcrerzgebirgische Bauembewegung im Jahre 1525 im „Glückauf", OrgaD des Engebirgrereins , Jg. 1887, S. 66 ^68.

2) Wolf a. a. O. S. 68.

3) S. Karstens a. a. O. S. 324. 327—328. 330. 334. Auch in den kleineren Städten des Erzgebirges gab es Unruhen. Etliche hundert Leute aus Marienberg nahmen teil an der Flünderaog der Pfarre MUdenau. In ZÖblitz hatten die BUrger, aufgestachelt durch

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Noch früher als im Erzgebirge hatte sich der Aufruhr im Vogt- lande erhoben, und es wäre zu untersuchen, welchen Anteil daran die dortigen Städte, z. B. Reichenbach und Plauen, gehabt haben ^).

Noch weiter, als ich bisher angenommen, hat die Bewegung auch in den norddeutschen Städten um sich gegriffen. Nur kommt sie dort an manchen Orten erst dann zum Ausbruch, als sie in Süd- deutschland schon erloschen war. Mancherorts sehen wir eine Ver- bindung des religiösen mit dem politischen Moment, wozu sich hier und dort auch sozialistische Tendenzen gesellen. Die demokratischen Ideen, die in der eigentlichen Periode städtischer Verfassungskonfiikte nur schwer im Norden Eingang gefunden haben, erfahren jetzt eine Wiederbelebung. Man könnte diese städtischen Bewegungen in Nord- deutschland ein Nachspiel zu den süd- und westdeutschen Zunftkämpfen des XIV. imd XV. Jahrhunderts nennen.

Das Zusammentreffen religiöser und politischer Motive finden wir schon in dem auf der Grenze zwischen Mittel- und Norddeutschland gelegenen Halle *). Im G^ensatz zum Rate war die Mehrheit der Bürger der lutherischen Lehre geneigt Au&erdem herrschte in der Gemeinde eine starke Verstimmung gegen eine Gruppe von Ratsherren, die der allgemeinen Ansicht nach ein unberechtigtes Übergewicht im Stadtregimente besafs und dieses zu eigenem Vorteil mifsbrauchte. Dazu kam noch der Unmut der Bürger über die ausgiebigen finanziellen Forderungen des Erzbischofs Albrecht, welche der Rat wahrscheinlich nur durch eine Vermehrung der wachsenden städtischen Schtüdenlast zu befriedigen vermochte. Albrecht, dem die Mifistimmung der Hallenser nicht entging, übertrug seinem Kanzler, Dr. Goch, die Ver- mittlung. Bei letzterem brachten Innungen und Gemeinde ihre For- derungen an, die das Stadtregiment und die religiöse Frage betrafen. Die Bürger verlangten die Entfernung jener vier besonders verhafsten Ratsherren aus dem Stadtregiment, was Albrecht sofort bewilligte. Die zweite Forderung lautete knapp und klar, „dafs uns unser gnädiger Herr das Wort Gottes lauter und klar predigen lasse und uns das hochwürdigste Sakrament nach Einsetzung Jesu Christi reichen und geben lassen wolle". Auch dieser Artikel wurde von Albrecht ge-

zwei Häaer in Marienber;^, die Absicht, die Pfarre zu plündern. Aach in Geyer wollte man die Pfarre stürmen und setzte man die deutsche Kindertaufe durch, vgl. Wolf a. a. O. S. 69. 80. 81.

1) Wolf S. 55.

2) Hertzberg a. a. O. II, 53. 57. 150.

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nehmigt. Die Gemeinde, damit zufriedengestellt, trat jetzt eifrig unter die Waffen und handhabte nachdrücklich den Schutz der Stadt. Albrecht hat sein Zugeständnis in der kirchlichen Frage übrigens rasch vergessen. Erst 1541 ertrotzte die Gemeinde die Durchfuhrung der Reformation vom Rate.

Ein halb politisches, halb religiös-sozialistisches Gepräge trugen die Unruhen in Magdeburg^). Schon 1524 verübte dort das niedere Volk besonders die Handwerksburschen aufgereizt durch den sozialistischen Prediger Johann Grauert, Ausschreitungen gegen Kirchen und Klöster. Im Jahre 1525 zeigte sich unter den Bürgern eine lebhafte Erregung gegen den Rat und die vornehme Klasse, eine Er- scheinung, die wieder auf die Wühlereien Münzerisch gesinnter Prä- dikanten zurückzuführen ist. Am 24. Februar kam es zu einer Em- pörung der „Gemeinheit" *) gegen den Rat. Sie verlangte, dafs ihre beiden Vertreter im Rat künftig von ihr selbst und aus ihrer Mitte gewählt werden sollten, nicht mehr von den Ratsmitgliedem aus den Innungen. Die „Gemeinheit" beruhigte sich nicht eher, als bis ihr Wunsch wenigstens teilweise erfüllt worden war. Dieses Ergebnis bildet eine Ergänzung der demokratischen Errungenschaften von 1330.

Neben diesen auf Änderung des Stadtregiments gerichteten Be- strebungen finden wir auch Spuren der damals in Mittel- und Süd- deutschland verbreiteten radikalen Lehren. Auch in Magdeburg wurden Stimmen laut, die Gütergemeinschaft und politische Gleichheit forderten. Führer dieser Partei war jener Theologe Grauert oder Grauhart, der schon längst das Volk zu Mord und Gewaltthat gereizt hatte, neben ihm wirkten manche Fremde, die sich zu jener Zeit in Magde- burg zusammengefunden hatten. Eben damals hörte man, da(s Hand- werker sich zum Predigtstuhl drängten oder auf der Gasse die Menge um sich versammelten, um das Wort Gottes zu verkündigen. Der Pöbel aus der Alt- und Neustadt drang ohne Scheu in den zwischen beiden Eiben gelegenen Werder des Agnetenklosters und des Dom- propstes Busch bei Rothensee imd stahl dort Holz nach Lust und Belieben. Sie beriefen sich darauf, dafs den Christen alles gemeinsam sei. Bewohner der Neustadt und des ihr inkorporierten Dorfes Frose verweigerten auch dem Dompropst das ihm zu zahlende Weidegeld und den Rauhpfennig. Trotzdem weckte der Bauernkrieg, der bis an

1) Hoffmann, Geschichte der Stadt Magdeburg, neu bearbeitet von Hertel n. Hülfse,

1885, n, 385. 387. 389. 390. 421.

2) d. h. der nicht rn den Innongsverbänden gehörigen Bürgerschaft.

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die Grenzen des Erzstifts drang, keine bedeutenderen Unruhen. Nur das Kloster Berge, dessen Schutz der Rat einer Abteilung von Büigem anvertraut hatte, wurde von der beutegierigen Menge geplündert. Nach der Niederlage der Bauern trat in Magdeburg wieder Ruhe ein. Die Führer des erregten Volkes verliefsen die Stadt. Noch einmal erschien der Friede bedroht, als 1529 wiedertäuferische Sendlinge in Magdeburg und an anderen Orten des Erzstifts eine überaus r^e Agitation entfalteten. Man befürchtete eine Wiederholung der Auf- stände von 1525, und der Kardinalerzbischof Albrecht liefe Vorsichts- mafsregeln treffen. In der That bekannten einige Wiedertäufer in Erfurt vor ihrer Hinrichtung, dafs sie mit Gesinnungsgenossen in Magdeburg einverstanden gewesen seien, sich durch einen Aufstand der Stadt zu bemächtigen und die Gütergemeinschaft einzuführen.

In Stralsund kamen schon 1522 Bewegungen zum Ausbruch, die gleichfalls politischen und religiösen Charakter trugen. Ein gewisser Roloff Moller, ein noch junger Mann, wufste bei der Bürgerschaft den Rat wegen seiner Finanzwirtschaft zu verdächtigen. Es bildete sich ein Ausschufe von 48 Bürgern, denen der Rat durch einen beschworenen und besiegelten Rezefs Unterwerfung geloben mufste, und die sich jetzt aller Gewalt bemächtigten: Des rades rat musie nicht gelden; ere donnt und regetnent wa/s baven de/s rades; wat se reden, deden, beschloten, dat wa/s gedan. In der Folgezeit traten die religiösen Motive immer stärker hervor. Der Prädikant Karsten Ketelhodt, dem der Rat auf Verlangen der Klerisei das Predigen untersag^ hatte, wurde von den neuen Regenten und der ganzen Bürgerschaft nach Stralsund zurückgeführt und ihm die Kanzel zu St. Nikolaus einge- räumt. In der Karwoche des Jahres 1523 kam es durch einen un- glücklichen Zufall zu einem Bildersturm, bei dem fremde Handwerks- burschen und anderes loses Gesindel Kirchen und Klöster verheerten und die Insassen der letzteren zu eüiger Flucht nötigten. Der Rat mufste diese Ausschreitungen ungeahndet lassen, wollte er nicht von der evangelisch gesinnten Mehrheit der Bürger das Schlimmste ge- wärtigen. Das Verlangen der Bürgerschaft nach dem Fortgang der Reformation, dem sich der Rat schon aus Rücksicht auf die beiden katholischen Landesherren widersetzte, liefs die demokratische Be- wegung noch stärker anschwellen. Im Sommer 1524 setzte Roloff Moller durch, dafs er selbst und sein Gesinnungsgenosse Christ Lorber zu Bürgermeistern erhoben und acht aus der Bürgerschaft in den Rat gewählt wurden. Der Bürgermeister Nikolaus Smiterlow, der die un- dankbare Rolle des Vermittlers gespielt hatte, entwich nach Greifswald.

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Die beiden jungen Herzöge Barnim und Jörg von Pommern sahen dem unruhigen Treiben in Stralsund thatlos zu in der Hoffnung, wenn beide Parteien sich genügend abgemüdet hätten, „würden sie in der Stadt besser nach ihrem Willen thun können". Sie wagten um so weniger einzuschreiten, als wiedertäuferische Agitatoren im Lande er- schienen, ihre Hörer zum BUdersturm aufreizten und von